Mit Entspannung die Mitte finden oder: Schützensport als Prävention

 

„Wie Sie schon festgestellt haben, ist der Schießsport wie jede andere Sportart auch eine eigene Welt. Wenn Sie von der Voraussetzung aus gehen, auf sich die innere Mitte zu finden und zu sich sagen „Es schießt“ und mit sich im Einklang sind, treffen Sie, ob Sie wollen oder nicht, das Zentrum. Das heißt also, wenn Sie mit sich alles richtig gemacht haben, sind Sie eins mit sich“.

Diese Nachricht schickte mir ein erfolgreicher Luftpistolenschütze. Wir waren zuvor nebeneinander am Schießstand gestanden und mir war seine Ruhe aufgefallen. Die meditative Komponente des Schießsports wurde hier offensichtlich.

 

Diese positive Seite des Schützensports ist nicht jedem bewusst und bekannt, weshalb ich sie etwas näher erläutern möchte.

Die meditative Komponente des Schützensports resultiert aus der Notwendigkeit und Fähigkeit, zu entspannen

 

In einem Artikel über den Wert des Schießsports aus medizinisch-physiologischer Sicht von Herrn Dr. Rheingans, einem Scharfschützen aus Krefeld, wird der Zusammenhang wie folgt erläutert: Bei Stress erzeugt der Körper Stresshormone, um dem Körper die nötige Energie zuzuführen, die er braucht, um den Stress abzuwenden, z.B. durch Flucht. Handelt es sich jedoch um emotionalen Stress, ist kein erhöhter Energiebedarf im Körper notwendig und die Stresshormone wirken ungünstig, es kann zu Aggression oder körperlichen Krankheiten kommen. Daher ist es wichtig, den emotionalen Stress abzubauen.

 

Beim Schießsport ist die Waffe absolut ruhig zu halten und dies vor allem während und nach dem Auslösen des Schusses. Hierfür ist die totale Entspannung notwendig. Der Schütze lernt also sehr bald, diese Entspannung herbei zu führen. Andernfalls wird er keine guten Schießergebnisse erzielen. Ein wesentlicher Aspekt hierbei ist die Atmung. Die Atmung beeinflusst den Körper und das Gefühlsleben und ist damit für die Entspannung essentiell.

Dieser Vorgang hat weitreichenden Einfluss auf Körper und Psyche. Mit dem Schützensport werden also Körper und Geist gleichermaßen trainiert. In einer zweijährigen Studie mit Jugendlichen hat man herausgefunden, dass die Probanden, die Mitglied in einem Schützenverein waren, eine gute Selbsteinschätzung und besondere Konzentrations- und Entspannungsfähigkeiten zeigten.

Die Legalwaffenbesitzer zeigten in den meisten Persönlichkeitsdimensionen sogar bessere Werte als die Vergleichsstichprobe

 

Auch Prof. Dr. Dietmar Heubrock fasst in einer Stellungnahme für die Anhörung im SchleswigHolsteinischen Landtag zum Thema Waffenbesitz zusammen, dass gerade Sportschützen nicht als Täter oder Töter auftreten und in den meisten Persönlichkeitsdimensionen sogar bessere Werte erzielten. Vielmehr zeigen solche Personen Rache- und Gewaltphantasien, die eine depressive Grundstruktur aufweisen. Eine stabile Psyche und die Fähigkeit, mit Stress umzugehen und zu entspannen ist also beste Prävention gegen Gewalt.

 

Die Studie mit Jugendlichen betrachtet auch den positiven Effekt einer Mitgliedschaft im Sportverein. Die Jugendlichen zeigten Verantwortungsbewusstsein, Kritikfähigkeit und Hilfsbereitschaft.

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass der Schützensport nicht nur ein Gemeinschaftssport, sondern auch ein mentales Training ist. Atmung, Konzentration und Entspannung helfen nicht nur, ins Schwarze zu treffen, sondern auch, die innere Mitte zu finden.

Verfasser(in) dem Vorstand bekannt


Quellenangaben:

Ute Jansen-Rentz: Untersuchung „Pädagogische Auswirkungen des Schießsports auf Kinder unter 12 Jahren“. Zusammenfassung der zweijährigen Studie des Bayerischen Schützenbunds e.V. in Zusammenarbeit mit dem Institut für Schulpädagogik und Grundschuldidaktik der Universität München, Abteilung „Problemorientierte Jugendforschung“.

Prof. Dr. Dietmar Heubrock, Institut für Rechtspsychologie der Universität Bremen: Stellungnahme zur Beratung des Antrages „Bessere Kontrolle der Schusswaffen in Schleswig-Holstein“, 2012

Diplom-Chemiker Dr. rer. nat. Dr. med. Jörg Rheingans, Krefeld: „Über den Wert des Schießsports aus medizinisch-physiologischer Sicht“